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Im Zentrum der Verschwörung ...

sieht sich so manch eine:r und versteht sich schnell als Opfer von Intrigen, konspirativer Treffen. So auch ein Kollege, welcher (wie er zugab) eine Kollegin und mich dieser Tage in einem Vier-Augen-Gespräch belauscht hat. Spannend, wie viele Menschen doch denken, sie seien der Mittelpunkt des Geschehens. Diese Menschen sind Opfer ihrer selbst und haben eine Aversion gegen den Zufall, sowie Bedürfnisse wie z.B. das Bedürfnis nach klaren Antworten, Bedürfnisse nach Kontrolle oder auch nach Einzigartigkeit. Psychologisch betrachtet, liegt das verführerische Geheimnis von Verschwörungstheorien also eben genau darin, dass sie grundlegende menschliche Bedürfnisse befriedigen und dies zum Teil erfolgreicher als die offizielle (und meist mit den Fakten besser vereinbare) Version der Ereignisse. Dies liegt in notwendigen Asymmetrien begründet. Diese Erfahrung möchte ich heute zum Thema machen und in diesem Beitrag auf mögliche Ursachen eingehen, die Menschen dazu verleiten, an Verschwörungstheorien zu glauben.


... wie sie jeder für sich sieht.
Die Wirklichkeit ...

 

„Jeder meint, dass seine Wirklichkeit die richtige Wirklichkeit ist.“ (Hilde Domin)


 

Die Antwort auf mögliche Ursachen für Verschwörungstheorien


Verschwörungstheorien sind ein faszinierendes Phänomen, das tief in der menschlichen Psychologie verwurzelt ist. Diese Theorien bieten nicht nur einfache Erklärungen für komplexe Probleme, sondern erfüllen auch wichtige psychologische Bedürfnisse.


1. Kognitive Dissonanz


**Definition:**

Kognitive Dissonanz ist der mentale Stress oder Unbehagen, den eine Person empfindet, wenn sie zwei oder mehr widersprüchliche Überzeugungen, Werte oder Ideen gleichzeitig hält.


**Beispiel:**

Wenn jemand fest an die Ehrlichkeit eines politischen Führers glaubt, aber Beweise für Fehlverhalten dieses Führers sieht, kann dies kognitive Dissonanz erzeugen. Verschwörungstheorien können diese Dissonanz verringern, indem sie alternative Erklärungen bieten, die das Fehlverhalten als Teil eines größeren, versteckten Plans darstellen.


2. Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit


**Definition:**

Menschen haben ein grundlegendes Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit in ihrem Leben. Dieses Bedürfnis wird besonders in Zeiten von Unsicherheit und Chaos verstärkt.


**Beispiel:**

In Krisenzeiten, wie während einer Pandemie oder nach einem Terroranschlag, können Verschwörungstheorien eine scheinbare Kontrolle und Erklärung bieten. Sie helfen Menschen, das Gefühl der Hilflosigkeit zu überwinden, indem sie klare Schuldige und einfache Lösungen präsentieren.


3. Mustererkennung und Kausales Denken


**Definition:**

Menschen haben eine natürliche Tendenz, Muster in zufälligen oder komplexen Informationen zu erkennen, ein Phänomen, das als Apophenie bekannt ist. Dies ist eng mit dem Bedürfnis nach kausalen Erklärungen verbunden.


**Beispiel:**

Das berühmte Beispiel von Pareidolie, bei dem Menschen Gesichter in Wolken oder anderen zufälligen Mustern sehen, ist ein Ausdruck dieser Tendenz. Auf ähnliche Weise können Menschen Verbindungen und Absichten hinter zufälligen Ereignissen sehen, was zur Entstehung von Verschwörungstheorien führt.


4. Bedürfnis nach Einzigartigkeit


**Definition:**

Einige Menschen haben das Bedürfnis, sich als einzigartig oder besonders zu fühlen, was durch den Glauben an exklusive und ungewöhnliche Informationen erfüllt werden kann.


**Beispiel:**

Verschwörungstheorien können das Gefühl der Einzigartigkeit stärken, indem sie dem Gläubigen das Gefühl geben, „die Wahrheit“ zu kennen, die der Masse verborgen bleibt. Dies kann das Selbstwertgefühl und die Identität stärken.


5. Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)


**Definition:**

Bestätigungsfehler ist die Tendenz, Informationen zu suchen, zu interpretieren und sich daran zu erinnern, die bestehende Überzeugungen bestätigen, und gleichzeitig widersprüchliche Informationen zu ignorieren oder abzuwerten.


**Beispiel:**

Ein Anhänger einer Verschwörungstheorie wird eher Informationen aufnehmen und weitergeben, die seine Überzeugungen stützen, während er Beweise, die die Theorie widerlegen könnten, abtut oder ignoriert.


6. Misstrauen gegenüber Autoritäten


**Definition:**

Misstrauen gegenüber Autoritäten und offiziellen Erklärungen kann Menschen anfälliger für alternative Erklärungen und Verschwörungstheorien machen.


**Beispiel:**

Menschen, die das Gefühl haben, dass Regierungen, Medien oder wissenschaftliche Gemeinschaften nicht transparent oder ehrlich sind, neigen eher dazu, an Verschwörungstheorien zu glauben, die diese Autoritäten in Frage stellen.


 

Fazit ...

Die psychologischen Ursachen für Verschwörungstheorien sind tief in menschlichen Denk- und Verhaltensmustern verwurzelt. Von der Reduktion kognitiver Dissonanz über das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit bis hin zur natürlichen Tendenz, Muster zu erkennen und kausale Erklärungen zu suchen, spielen viele Faktoren eine Rolle. Ein besseres Verständnis dieser psychologischen Mechanismen kann dazu beitragen, Strategien zu entwickeln, um die Verbreitung von Verschwörungstheorien zu bekämpfen und die psychische Gesundheit und das soziale Gefüge zu stärken.


 

Du suchst Hilfe im Umgang mit schwierigen Kollegen? Gerne unterstütze ich dich dabei.



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