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Perfektionismus als Stolperstein

Perfektionismus als Stolperstein kennt wohl jeder. Man macht und tut und es wird nicht so wie es sein soll. Gründe dafür sind u.a. Angst vor ausbleibender Anerkennung, Angst vor Versagen, Angst davor den (eigenen) Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Bei all den Bemühungen aber verliert man den Blick auf das Wesentliche und sich selbst im unerfüllbaren Perfektionismus. Selbst Kinder fallen, durch das Zutun ihrer Eltern, in die psychologische Falle der Perfektion.


In diesem Beitrag geht es um das Thema Perfektionismus, seiner Ursache und 6 Tipps als mögliche Wege aus einem dysfunktionalen Perfektionismus.


 

Perfektionismus als Stolperstein



 

Perfektionismus als psychologisches Konstrukt


... das versucht, interpersonelle Differenzen bezüglich des Strebens nach möglichster Perfektion und Fehlervermeidung zu erklären.


Für eine gesunde Entwicklung von Kindern ist deren Leben oft viel zu schnell getaktet, der Anspruch, dass man etwas Besonderes leisten muss, ist allgegenwärtig. Meist übertragen Erwachsene ihren eigenen Anspruch nach Perfektion auf ihre Kinder und so tappen schon Kinder in die psychologische Falle der Perfektion.


Kinder lernen schon früh im Elternhaus, in der Schule und durch ihr allgemeines Umfeld, dass von ihnen (sehr)gute Leistungen erwartet werden und dass diese Leistungen von anderen auch bewertet werden. Für viele ein Grund mehr, auch später im Leben alles besonders gut machen wollen.


Solange jemand zwar das Beste erreichen möchte, aber sich selbst und anderen auch Platz für Fehler zugesteht, profitiert er von seinem Perfektionismus. Es gibt aber auch Formen des Perfektionismus, unter denen die Betroffenen selbst und ihr soziales Umfeld leiden. Wenn jemand in allen Lebensbereichen extrem hohe Maßstäbe hat und an diesen rigide festhält, weil der eigene Selbstwert davon abhängt, dann wird das zum Problem. Betroffene entwickeln dann die Vorstellung, sie würden von anderen nur geliebt und akzeptiert, wenn sie permanent makellose Höchstleistungen erbringen, sodass sich die Betroffenen vor allem auf ihre Fehler konzentrieren und die eigenen Erfolge kaum mehr beachten.


Können Betroffene dann ihren eigenen hohen Maßstäbe nicht genügen, beginnen sie darunter zu leiden und entwickeln daraufhin Ängste, aber auch Prokrastination ist eine typische Folge dieser belastenden Form des Perfektionismus. Perfektionismus in Verbindung mit Kontrollverlust führt bei manchem Menschen dazu, dass sie zu viel Energie darauf verwenden müssen, um ein Mindestmaß an Kontrolle in ihrem Leben aufzubauen und vor allem zu behalten. Oft werden durch diese Sucht nach Kontrolle dadurch andere Menschen eingeengt, sodass sich die Selbstkontrolle zu einer sozialen Kontrolle mit Furcht vor sozialem Kontrollverlust ausweitet.


Blickt man nach draußen, gewinnt man schnell den Eindruck, dass immer mehr Menschen danach streben, stets das Optimum aus allem herauszuholen. Die Folge ist ein Leistungsdruck, eigene Erfolge aufrecht zu erhalten und andere Erfolge zu übertrumpfen.


Grundsätzlich ist das Streben nach Perfektion per se nicht schlecht oder von vornherein krankmachend. Perfektion hilft vielen Menschen dabei, ihren Alltag bestmöglich zu bewältigen und spornt sie letztlich auch an, erfolgreich zu sein. Doch es gibt zahlreiche negative Facetten dieses Konstrukts.


Beim Perfektionismus der Menschen spielen Themen wie Spitzenleistung, Makellosigkeit und Fehlerfreiheit eine zentrale Rolle, wobei man funktionale (perfektionistisches Streben) und dysfunktionale (perfektionistische Besorgnis) Perfektionisten unterscheiden kann. Die erste Gruppe erfreut sich an ihrer Spitzenleistung, die zweite hadert damit, was wieder nicht richtig funktioniert hat.


Der normale Perfektionismus kennzeichnet leistungsorientierte Menschen, die einfach ihr Bestes geben wollen und sich dafür auch ins Zeug legen, aber sie machen sich keine übertriebenen Gedanken darüber, wenn das Ergebnis einmal nicht perfekt ist. Dieser Perfektionismus mit einer hohen Ausprägung auf der Dimension des perfektionistischen Strebens und aber eine niedrige Ausprägung auf der Dimension der perfektionistischen Besorgnis wird daher auch als gesunder oder funktionaler Perfektionismus bezeichnet, während eine hohe Ausprägung auf beiden Dimensionen mit einem ungesunden oder dysfunktionalen Perfektionismus in Zusammenhang gebracht wird.


Bei dysfunktionalen Perfektionisten ist der Selbstwert stark verknüpft mit der eigenen Leistung und der Anerkennung durch andere, d. h., man wertschätzt sich nicht aus sich selbst heraus, sondern erst aus dem Urteil der anderen. Aus Angst vor negativer Bewertung schieben viele Betroffene schwierige Aufgaben vor sich her und vermeide sie womöglich irgendwann (Prokrastination), was zu Leistungseinbußen und negativem Feedback führt, also genau zu dem, was der Perfektion vermeiden wollte. Für dysfunktionale Perfektionisten ist Anerkennung daher enorm wichtig, daher sollte man sie nicht einfach kritisieren, denn das macht ihre Situation eher schlimmer und kann sie in einen Teufelskreis treiben und psychische Erkrankungen begünstigen.


Die Erwartungshaltung eines dysfunktionalen Perfektionisten ist meist unrealistisch hoch und deshalb in der Regel kaum zu erreichen. Der dysfunktionale Perfektionist hat panische Angst, Fehler zu machen und Erwartungen nicht zu erfüllen zugleich. Weshalb oft das Prinzip „alles oder nichts“ Anwendung findet. Für ungesunde Perfektionisten gibt es keinen Graubereich und urteilen gnadenlos über eigene Fehler oder Versäumnisse dahingehend, dass etwas entweder ein absoluter Erfolg oder ein totales Versagen ist. Rumination ist unter (ungesunden) Perfektionisten häufig anzutreffen.


Warnzeichen für dysfunktionalem Perfektionismus ist z.B. die ständige Unzufriedenheit, ein permanent hoher Stresspegel verbunden mit fehlenden Bewältigungsstrategien, wiederkehrende Konflikte im Umfeld und viele mehr. Ein guter Spiegel ist das persönliche Umfeld, denn krankhafte Perfektionisten stellen nicht nur übertriebene Ansprüche an sich selbst, sondern auch an ihr Umfeld, was über kurz oder lang zu Konflikten führt.


Im Übermaß kann dysfunktionaler Perfektionismus nicht nur unglücklich sondern auch krank machen und im schlimmsten Fall zu Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Burn-out und Alkoholismus führen.

 

6 Tipps, um der Perfektionismusfalle entkommen zu können


  • Überlege, was passieren würde, wenn Du eine Aufgabe nicht perfekt lösen kannst. Ist davon das Überleben der Menschheit wirklich abhängig?

  • Welche Anforderungen stellst du eigentlich an dich selbst und an andere Menschen? Wäge ab: Welche sind wichtig, und wo wäre es vielleicht angebracht, die Standards anders zu definieren. Ist es etwa wirklich so wichtig, dass die Serviette immer genau an diesem oder jenem Punkt zu liegen hat?

  • Den Tag am Abend noch einmal Revue passieren und konzentriere dich dabei auf all das, was du geschafft hast und was dir gelungen ist. Nicht darauf, was unerledigt geblieben ist oder wo du vermeintlich gescheitert bist.

  • Fang an, dir Fehler zu erlauben und dir diese auch zu verzeihen.

  • Plane Ruhephasen in deinen Alltag ein, und übe dich regelmäßig in Achtsamkeit. Dabei konzentrierst du dich ausschließlich auf das Hier und Jetzt und fokussiert sich auf den Moment – ohne die Dinge, die gerade passieren, zu bewerten.

  • Mache dir von Zeit zu Zeit bewusst, auch 99% sind gut und dass es auch einmal chaotisch zugehen darf. Das bringt mehr Genuss und Gelassenheit ins Leben. Kinder sind da ein gutes Vorbild, die sind unbeschwert und auch dann glücklich und zufrieden, wenn nicht alles picobello ist.

 

"Einfach mal die Kirche im Dorf lassen" ...


sage ich ganz gerne, den weniger ist auch manchmal mehr und die Erwartungshaltung zu reduzieren kann man lernen.


 

Gelassenheit ist lernbar! Gerne unterstütze ich dich dabei.



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